Unterstützung von Milcherzeugergemeinschaften beim Aufbau eines Qualitäts- management-Systems nach DIN EN ISO 9001:2000
Ein Das pro agro Qualitätsprogramm "Milch" ist besonders für das einzelne Unternehmen, territorial beschränkt und nur betrieblich bezogen, attraktiv. Alternativ dazu gibt es die Möglichkeit einer Gruppenzertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2000.
Diese Art von Zertifizierung bietet sich insbesondere für Erzeugergemeinschaften an. Die bereits vorhandene Struktur (Vorstand, Mitgliederversammlung, Geschäftsstelle...), die Kommunikation und Zusammenarbeit untereinander und mit der Molkerei sind ideale Voraussetzungen dafür.
Was ist ein Qualitätsmanagement-System nach DIN EN ISO 9001:2000?
  • ein dokumentiertes Verfahren zur Qualitätssicherung mit dem Anspruch einer lückenlosen Rückverfolgbarkeit qualitätsrelevanter Prozesse und Vorgänge (Eingangskontrollen, Zwischenprüfungen, Endkontrollen)

  • die ständige Verpflichtung der Leitung zur regelmäßigen Registrierung und Bewertung von Fehlern und zielgerichtete Maßnahmen zur Fehlerbeseitigung und Vorsorge

  • eine auf ständige Verbesserung ausgerichtete Tätigkeit der Leitung mit dem Ziel, heutige und künftige Marktanforderungen zu erfüllen

Die unabhängige Kontrolle auf Normenkonformität erfolgt durch eine zugelassene Zertifizierungsstelle. Bei positivem Ergebnis der Begutachtung wird ein zeitlich befristetes Zertifikat vergeben.
Was sind die wichtigsten Anforderungen?
Die DIN EN ISO 9001:2000 ist eine allgemeine europäische Norm, die die Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme zum Inhalt hat. Ziel dieser Norm ist ein Qualitätsmanagementsystem, welches zusätzlich zur Qualitätssicherung des Produktes auch auf die Erhöhung der Kundenzufriedenheit zielt.
Zur Durchsetzung vom QM-System sind in der Norm 5 Schwerpunkte festgeschrieben.
Das sind:
1. die Erarbeitung einer Dokumentation (QM-Handbuch)
2.

die Verantwortung der Leitung
Bei Gruppenzertifizierung einer Erzeugergemeinschaft ist dies der Vorstand der Milcherzeugergemeinschaft mit einer funktionierenden Geschäftsstelle.

3. das Management von Ressourcen (Mittel)
4. die Produktrealisierung
5. Messung, Analyse und Verbesserung
Art und Umfang der Unterstützung durch den LKV
1.

Erfassung der Primärdaten, wie z.B.:
-
   teilnehmende Betriebe
-
   Größe der Betriebe (Kuhbestand, Referenzmenge, ...)
-
   leitende Mitarbeiter der Betriebe und ihrer Beauftragten

2.

Schulung der Qualitätsmanagement-Beauftragten der Geschäftsstelle und der Betriebe zur Einführung, Umsetzung, Aufrechterhaltung und ständigen Verbesserung des QM-Systems in der Milcherzeugergemeinschaft mit den teilnehmenden Betrieben

3. Erarbeitung der Dokumentation und des QM-Handbuches in Abstimmung mit der Erzeugergemeinschaft
4. Beratung zur Umsetzung des QM-Handbuches vor Ort in den beteiligten Unternehmen
5. Unterstützung des QMB der Geschäftsstelle bei der Durchführung der Voraudits und bei der Erarbeitung des ersten Management-Reviews in Vorbereitung auf das Zertifizierungsverfahren
Wie ist die praktische Vorgehensweise bei der Gruppenzertifizierung?
1. Einsatz eines QM-Beauftragten für die Erzeugergemeinschaft und Benennung der betrieblichen QM-Beauftragten
2. Schulung der QM-Beauftragten
3. Mit dem Vorstand der Milcherzeugergemeinschaft werden die Qualitätspolitik und die aktuellen Qualitätsziele festgelegt.
4. Auf der Eröffnungsveranstaltung (Kick-Off) erfolgt die offizielle Information über den Beginn der Gruppenzertifizierung sowie über die Qualitätspolitik und die Qualitätsziele.
5.

Erstellung des QM-Handbuches mit:
-   dem allgemeinen Teil,
-   den allgemeingültigen Verfahrensanweisungen,
-   den allgemeingültigen QM-Dokumenten

 

durch den LKV in Zusammenarbeit mit der Erzeugergemeinschaft.
Jeder Betrieb erhält sein Exemplar des QM-Handbuches.

6. Erarbeiten und Umsetzen der betriebsspezifischen Arbeitsanweisungen und QM-Dokumente durch die Betriebe auf der Basis der allgemeingültigen Dokumente
7. Durchführung von Voraudits
Dem Zertifizierer (z.B. ifta-CERT Berlin) wird eine Liste mit den Betrieben vorgelegt. Aus dieser sucht der Zertifizierer einen repräsentativen Durchschnitt heraus. Diese Betriebe werden dann vom Zertifizierer auditiert. Wurden die Audits erfolgreich bestanden, bekommt die Erzeugergemeinschaft das Gruppenzertifikat nach DIN EN ISO 9001:2000. Auf Antrag werden von der Zertifizierungsstelle Unterzertifikate für die einzelnen Betriebe vergeben. Jährlich wird bei den Audits durch den Zertifizierer eine andere Auswahl an Betrieben getroffen. Damit wird gewährleistet, dass in wenigen Jahren alle Betriebe auditiert wurden.
Erläuterungen:
Für die Punkte 1. bis 5. wird bis zum Fertigstellen des QM-Handbuches ein Zeitraum von voraussichtlich 3 bis 4 Monaten veranschlagt. Nach der Schulung (Punkt 2.) und der Übergabe der QM-Handbücher haben die Betriebe dann mehrere Monate zur Verfügung, um die Festlegungen des QM-Handbuches umzusetzen, ihre betriebsspezifischen Dokumente zu erarbeiten und das QM-System zu etablieren. Dabei werden sie durch die Vor-Ort-Beratung durch den LKV-Spezialisten unterstützt. Die Voraudits (Punkt 7.) erfolgen in Zusammenarbeit des QM-Beauftragten der Erzeugergemeinschaft und dem LKV-Spezialisten. Gegebenenfalls werden Vorstandsmitglieder daran teilnehmen.