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Mykoplasmenmastitis
und Dokumentation einer Sanierungsmaßnahme in einem Brandenburger
Milchviehbetrieb 2009
Neben Galt (Streptococcus
agalactiae) und Staphylococcus aureus zählen Mykoplasmen zu
den „kuh-“ oder euterassoziierten Mastitiserregern. Euterassoziierte
Erreger werden besonders leicht beim Melkakt übertragen. Eine geringe
Menge an Keimen kann in der Kürze der Melkzeit schon ausreichen, um in
das Euter einzudringen, sich dort zu vermehren, um dann eine Mastitis
auszulösen. Auch den euterassoziierten Erregern wird es besonders leicht
gemacht sich zu manifestieren, wenn andere begünstigende Faktoren
hinzukommen, die die Abwehr des Tieres beeinträchtigen so wie z. B.
Haltungs- und Fütterungsdefizite, Stressbelastung oder andere
Grunderkrankungen.
Steigt die Anzahl der
akut euterkranken Tiere im Bestand, erhöht sich die Zahl der
MLP-auffälligen Tiere plötzlich oder auch über einen längeren Zeitraum
stetig und wird bei den betroffenen Tieren einer der drei oben genannten
euterassoziierten Erreger nachgewiesen, lohnen sich aus unserer Sicht
für den Betrieb umfassende Sanierungsmaßnahmen, wenn diese konsequent
umgesetzt werden. Wie schon im letzten Beitrag (Blickpunkt Rind 03/2010)
für S. aureus beschrieben, gehören hierzu die rasche
Identifizierung der befallenen Tiere, deren Separierung, verstärkte
Hygienemaßnahmen, hierbei schwerpunktmäßig im Melkstand um
Neuinfektionen zu vermeiden und die Einführung eines Behandlungsregimes.
Bei therapieresistenten Tieren oder beim Nachweis von resistenten
Erregern wie Mykoplasmen oder atypischen Mykobakterien sollten dann
konsequente Merzungen erfolgen. Behandlungsversuche erweisen sich
erfahrungsgemäß auch nur als solche.
Mykoplasmen (Abb.1)
gehören zu den Bakterien. Sie haben im Unterschied zu anderen Bakterien
keine feste Zellwand, nur eine cholesterinhaltige Membran, sie sind sehr
klein und „pleomorh“, d. h. sie können ihre Form beliebig verändern.
Diese Eigenschaften machen sie übrigens oft auch zu einem Problem in
Laboren die mit Zellkulturen arbeiten. Mykoplasmen passen durch kleinste
Porengrößen von Sterilfiltern und können sogar Zellkulturen „befallen“.
Durch das Fehlen der Zellwand sind Mykoplasmen gegen solche Antibiotika
unempfindlich, die ihren Angriffspunkt in der bakteriellen
Zellwandsynthese haben.

Es gibt viele Arten in
der Gattung Mykoplasma. Sie können verschiedene Organsysteme,
auch die unserer Milchrinder befallen: Den Urogenitaltrakt, den
Atmungsapparat, Gelenke und auch das Euter. Zu den besonders
euterpathogenen (pathogen=krankmachend) Mykoplasmenarten zählen M.
bovis, M. californicum und M. bovigenitalium. Unter ihnen ist
M. bovis besonders häufig als Bestandsproblem zu finden und dafür
bekannt, sehr schnell sehr viele Euter anzustecken. Nicht
krankheitsbeweisend, aber immerhin erste Hinweise auf einen
Mykoplasmenbefall könnten die erkrankten Tiere selbst geben. Das
schnelle Überspringen der Entzündung von einem auf die anderen Viertel
eines Euters, ein anfangs besonders „aufgeblasen“ erscheinendes Euter,
im weiteren Verlauf ein langsames Versiegen der Milchproduktion und
schließlich Schrumpfung der/des Viertel/s (Häufung von „Dreistrichen“ im
Bestand) und das Vorliegen von Therapieresistenzen nach antibiotischen
Behandlungen können auf eine Mykoplasmeninfektion deuten. Zudem, wenn
bei der bakteriologischen Routineuntersuchung (Routine BU) trotz
korrekter und vielleicht sogar mehrfacher Probennahme keine klassischen
Mastitiserreger detektiert worden sind. Denn: Mykoplasmen sind nur auf
besonderem Nährmedium anzüchtbar. Eine Mykoplasmendiagnostik muss
aufgrund des gänzlich separaten Untersuchungsganges gesondert
angefordert werden. Dies wird häufig nicht bedacht. Wie bei S. aureus
und Prototheken kommt diagnostisch erschwerend hinzu, dass Mykoplasmen
nicht immer kontinuierlich ausgeschieden werden. Gegen
Konservierungsmittel sind Mykoplasmen empfindlich, eigene Tests zeigten
zwar, dass massive Erregermengen auch aus Röhrchen mit dem üblicherweise
verwendeten Konservierungsmittel Borsäure nachgewiesen werden können,
derartig präparierte Probengefäße sollen aber hier nicht Standard sein.
Milchproben zur Mykoplasmendiagnostik werden in Röhrchen ohne
Konservierungsmittel gezogen und müssen deshalb besonders schnell und
gekühlt ins Labor verbracht werden, dann kann mit der Einsendung
ausnahmsweise zugleich auch eine Routineuntersuchung auf andere Erreger
angefordert werden. Wie auch bei der Probennahme für eine Routine-BU
wird nach Vormelken und Zitzendesinfektion zu Beginn der Melkzeit die
Milchprobe im Viertel entnommen. Die Mykoplasmendiagnostik wird nicht
von allen Laboren angeboten, das Mastitislabor des LKV-Brandenburg e.V.
bietet eine langjährig bewährte und günstige Einzeltierdiagnostik an.
Eine Alternative könnte perspektivisch die Detektion von
Genombestandteilen des Erregers per PCR (polymerase chain reaction)
sein. Der Nachweis mittels PCR-Technik ist sehr sensitiv. Andererseits
momentan aber auch noch sehr kostenintensiv und nicht alle
Mykoplasmenarten werden nach unserer Erfahrung erkannt. Dem Tierhalter
und Hoftierarzt sollte bei Nutzung von PCR-Diagnostik aus
Sammelmilchproben zudem bewusst sein, dass im Falle positiver Befunde
und für eine erfolgreiche Sanierung dann eine Einzeltierdetektion
ohnehin unumgänglich wird.
Nachfolgend sei kurz
eine Sanierungsmaßnahme über einen Zweijahreszeitraum dokumentiert. Ein
Brandenburger Milchviehhalter mit insgesamt etwa 300 Tieren, sorgte sich
Anfang des Jahres 2009 um seinen Bestand. Es waren zu wenig eutergesunde
Tiere in der MLP (nur 31%), also die Tiere, die zum Zeitpunkt der
MLP-Messung unter 100.000 Zellen/ml Milch hatten. Im davorliegenden
halben Jahr wurden zunehmend MLP-„Millionäre“ und akut Euterkranke
beobachtet. Die Euterkrankengruppe stieg auf 13 Tiere. Beobachtet wurden
Therapieresistenzen. Neben Merzungen zählte zu den ersten Maßnahmen die
durch Tierarzt und Betriebsleitung ergriffen wurden auch die Einleitung
einer bakteriologischen Diagnostik. Bei den ersten kleineren
Einsendungen im Untersuchungsgang „Routine-BU“ konnte kein dominierender
Erreger als Ursache für die geschilderten Probleme gefunden werden.
Deshalb und auch wegen des Auftretens der Therapieresistenzen war
angezeigt, zusätzlich nach seltenen Erregern zu suchen. Und man wurde
fündig. Bei 28 von nur 33 Viertelgemelken wurden Mykoplasmen
festgestellt, das betraf 9 Tiere auf einem oder mehreren Vierteln. Diese
Tiere schieden massiv den Erreger aus. Eine weitergehende
Differenzierung deutete auf M. bovis. Umgehend wurde bei einem
Beratungsgespräch mit dem behandelnden Tierarzt, dem damaligen
Eutergesundheitsdienst des Landes Brandenburg und dem Mastitislabor des
LKV angeraten, sich - sofern nicht schon geschehen - von den
therapieresistenten Tieren zu trennen und die gesamte Herde zu
untersuchen. Die M. bovis infizierten Euterkranken stellen eine
Infektionsquelle für andere dar, sie sollten sofort selektiert werden.
Ihre riskante Zeit im Bestand wird aus unserer Erfahrung bis zur
unabwendbaren Entscheidungsfindung nur verlängert. Infektionsversuche
vor Jahrzehnten zeigten, dass mit nur wenig Erregermaterial eine
Infektion gelingt. Dem Tierhalter wurde die Bedeutung der Einhaltung
umfangreicher infektionsprophylaktischer Hygienemaßnahmen, ganz
besonders im Melkbereich als Voraussetzung für den Bekämpfungserfolg
nahegelegt und die Ratschläge wurden umgesetzt.
Bei dieser ersten Gesamtherdenuntersuchung (GHU) im März 2009 wurden von
879 Viertelgemelken 28 Mykoplasmenbefunde erstellt. Dies entsprach 13
weiteren infizierten Tieren.
Bei einer weiteren GHU im Juli 2009 wurden von 967 Viertelgemelken nur
noch bei 3 Tieren 8 Mykoplasmenbefunde erhoben.
Zwischen den GHUs
wurden die in die melkende Herde zukommenden Tiere regelmäßig
untersucht, verunreinigte Proben neu gezogen oder beim Befund „Verdacht
auf Mykoplasmen“ abermals eingesandt. Auf diese Weise konnten 8 weitere
befallene Tiere identifiziert werden (342 Viertelgemelke davon 12
positiv).
Nach den GHUs und bis zum Jahresende 2009 gelangten wieder 239 Proben in
das Labor, dabei konnten noch 5 positive Proben gefunden werden was 3
Tieren entsprach.
Unter allen positiven Reagenten wurden 3 Tiere offensichtlich doppelt
getestet und nicht umgehend gemerzt (vielleicht ein erfolgloser
Behandlungsversuch?). Die positiven Tiere wurden ansonsten separiert und
der Schlachtung zugeführt. Die weiblichen Kälber Mykoplasmen-positiver
Mütter wurden mit Nasentupfern beprobt ggf. einem Behandlungsansatz
zugeführt.
In Abbildung 2 ist der prozentuale Anteil positiver Befunde
quartalsweise im Sanierungsjahr dargestellt.

In den Abbildungen 3, 4und 5 ist
die günstige Entwicklung der MLP-Zellzahl (3), der Milchleistung (4) und
der Tankzellzahl (5) in einem Zeitraum von 2 Jahren dargestellt. Dabei
blieb die Tierzahl im Trend weitestgehend konstant. Die Verteilung der
Tiere auf die Zellzahlklassen verlief günstig: Die Zahl der Tiere mit
unter 100.000 Zellen/ml Milch stieg und die der mit über 400.000
Zellen/ml sank.



Der Betrieb schätzte
die Sanierungsmaßnahmen damit als lohnend ein. Natürlich sei wiederum
angemerkt, dass nicht alle Faktoren die auf die Milchleistung und
Qualität Einfluss haben, recherchiert werden konnten.
Zusammenfassend lässt
sich festhalten: Eine regelmäßige mikrobiologische Diagnostik von
Abkalbern, Trockenstellern und Zellzahl-Millionären, die im Zweifelsfall
auch seltene Erreger einschließen muss, ist geeignet einer raschen
Streuung von Mykoplasmen im Bestand
und dem
Auftreten von therapieresistenten Mastitiden, Milchleistungs- und
Qualitätseinbußen vorzubeugen. Konsequente Sanierungsmaßnahmen, sind
sinnvoll und sollten zügig eingeleitet werden.
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