Dokumentation einer Staphyloccocus aureus Sanierungsmaßnahme
in einem Brandenburger Milchviehbetrieb
 

Staphylococcus aureus ist eine Bakterienspezies, die, wie andere Staphylokokken auch, bei Mensch und Tier durchaus auf der Haut vorkommt (Abb. 1).
Das Bakterium wird allerdings auch häufig bei Wundinfektionen nachgewiesen. S. aureus kann bei Milchrindern chronische, subklinische und klinische Mastitiden verursachen. Ist das Euter infiziert, können eine ausgeprägte Erhöhung der somatischen Zellzahl und eine Depression der Milchleistung auftreten. Befallene Tiere stellen wiederum eine Infektionsquelle für andere nicht infizierte Kühe in der Herde dar: S. aureus gehört zu den so genannten „kuh- oder euterassoziierten“ Erregern. Diese Gruppe ist dafür bekannt, dass sie besonders leicht beim Melkakt von Euter zu Euter übertragen werden.

 

                                                                                                                        Abb. 1: S. aureus auf Nährboden
                                                                                                                 in Laborkultur aus einem Mastitissekret

Erschwerend für Diagnose und Bekämpfungsmaßnahmen kommt hinzu, dass S. aureus sich im Eutergewebe abkapseln kann, schubweise ausgeschieden wird und sogar in Immunzellen überleben kann. 

Zur bakteriologischen Diagnostik gelangen oft erst Tiere mit stark verändertem Milchsekret oder zellzahlauffällige Tiere eines Bestandes. Bei Vorliegen von euterassoziierten, leicht übertragbaren Mastitiserregern wie Galt (Streptococcus agalatiae), Mykoplasmen und S. aureus als dominierender Erreger, ist eine Sanierung besonders zu empfehlen. Erfolg, Ökonomie und Intensität von Sanierungsmaßnahmen werden jedoch insbesondere bei Infektionen mit S. aureus kontrovers diskutiert. 

Nachfolgend sollen eine S. aureus Sanierungsmaßnahme in einem Brandenburger Betrieb und deren Ergebnisse über einem Zeitraum von 2 Jahren dargestellt werden. Vorab sei angemerkt, dass die Mastitis eine so genannte „Mehrfaktoren Erkrankung“ ist und nicht alle begünstigenden Faktoren, wie z.B. Fütterungsdefizite oder andere Grunderkrankungen die im Bestand sind, im Rahmen des vorliegenden Reports intensiver recherchiert wurden. 

Im Jahr 2008 traten in diesem Betrieb besonders hohe Zellzahlspitzen nicht nur bei der Milchleistungsprüfung (MLP), sondern auch bei der Milchgüteprüfung (MGP) auf, die den Verlust der Güteklasse S befürchten ließen. Bis Anfang 2009 wurden nur wenige klinisch auffällige Tiere bakteriologisch untersucht. Diese wenigen Tiere zeigten besonders häufig einen S. aureus Befund. Daneben wurden noch aeskulinpositive Streptokokken (wie beispielsweise Sc. uberis) nachgewiesen, letztere zählen zu den „umweltassoziierten“ Erregern und treten gehäuft in Betrieben mit Defiziten im Haltungsbereich auf. Vereinzelt wurden auch atypische Mykobakterien gefunden, dies sind seltene Mastitiserreger. Erste Maßnahmen wie Merzungen von therapieresistenten Tieren wurden von der Anlagenleitung schon in den ersten Monaten des Beobachtungszeitraumes ergriffen.

Da der Wunsch nach Eliminierung des dominierenden und euterassoziierten Erregers S. aureus, nach weiterer Zellzahlverbesserung und Stabilisierung derselben bestand, erstellte der Betrieb gemeinsam mit dem damaligen Eutergesundheitsdienst des Landes Brandenburg, der behandelnden Tierarztpraxis und in Zusammenarbeit mit dem Mastitislabor des LKV Brandenburg ein Sanierungskonzept.

Dieses beinhaltete folgende Schwerpunkte: 

  • Rasche Identifizierung und Separierung aller S. aureus positiven Tiere von den nicht infizierten Tieren
  • Melkreihenfolge: Nichtinfizierte Tiere vor den infizierten Tieren melken
  • Strenge Melkhygiene (besonders Zwischendesinfektion der Melkzeuge und Melkerhände, zur Vermeidung von Neuinfektionen)
  • Verbesserung der Zitzenkondition durch Dippmittel mit hohem Pflegeanteil und einer Jodkomponente
  • Belastete Milch nicht an die Nachzucht verfüttern
  • Umfangreiche Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen im Haltungs- und Fütterungsbereich
  • S. aureus positive Tiere antibiotisch entsprechend den Ergebnissen des Resistogramms  behandeln
  • Festlegung von Therapiezeitpunkten (z. B. nicht sekretorisch auffällige Tiere beim Trockenstellen und sofortige Behandlung sekretorisch auffälliger Tiere)
  • Durchführung einer bakteriologischen Diagnostik zur Erfolgskontrolle, zukünftige und regelmäßige bakteriologische Überwachung des Bestandes
  • Bei häufigen Behandlungsmisserfolgen sollten die betreffenden Tiere aus dem Bestand entfernt werden

Zunächst wurden Tupferproben von der Melkanlage, insbesondere der Melkzeuge und der Melkerhände vor und nach Desinfektion genommen. Die Proben zeigten eine ausreichende Wirkung der Desinfektionsmaßnahmen die nach jedem gemolkenen Tier durchgeführt wurden. Andernfalls hätte eine aufwendige Sanierung aufgrund von ständigen Neuinfektionen keinen Erfolg. Die melktechnische Tiefenprüfung durch den Milcherzeugerberater des LKV ließ keine wesentlichen Mängel an der Melktechnik erkennen. 

Im Frühjahr 2009 wurde nach Absprache erstmalig die gesamte Herde untersucht. S. aureus bestätigte sich als dominierender Erreger und wurde bei 132 oder bei 8% der eingesandten Viertelgemelksproben nachgewiesen (Abb. 2a), dem entsprachen S. aureus Befunde bei 92 Tieren oder ungefähr 1/5 des Gesamtbestandes.

In Folge wurde vom Betrieb strikt weiter nach dem Sanierungskonzept vorgegangen.

In einer zweiten Gesamtherdenuntersuchung im Sommer 2009 wurden nur noch 12 Proben oder 1% der eingesandten Milchproben positiv auf S. aureus getestet (Abb. 2b), dies entsprach 11 positive Tiere (2%).

Bei der letzten Gesamtherdenuntersuchung zum Jahresende 2009 wurden dann nur 4 Viertelgemelksproben, also unter 1% (Abb. 2c), bei 4 Tieren und damit <1% des Gesamtbestandes positiv befundet.


     

            
April 2009                        Juni 2009                     Dezember 2009

Abb. 2a–c: S.aureus-Befunde der Gesamtherdenuntersuchungen Apr./Jun./Dez. 2009 

Während des Beobachtungszeitraumes von 2 Jahren sank die durchschnittliche monatliche Zellzahl in der MLP langsam auf ein relativ stabiles niedriges Niveau. Ebenso verbesserte sich der Zellgehalt in der Ablieferungsmilch (Abb. 3).

Abb 3: Durchschnittlicher Zellgehalt des Betriebes (Juni 2008 bis Mai 2010) 

Die mittlere Milchleistung pro geprüfter Kuh (Melkdurchschnitt) verbesserte sich kontinuierlich (Abb. 4)Damit stieg auch die zur Ablieferung an die Molkerei gelangte Milchmenge.

Abb 4: Melkdurchschnitt und Stalldurchschnitt des Betriebes (Juni 2008 bis Mai 2010) 

Die Tierzahl im Betrieb blieb innerhalb der 2 Jahre relativ konstant, sogar mit leicht abnehmender Tendenz (Abb. 5).

Abb 5: Monatliche Anzahl der Milchkühe des Betriebes (Juni 2008 bis Mai 2010) 

Der Verlauf der Sanierungsmaßnahme und das Verhältnis von Aufwand und Nutzen wurden von der Betriebsleitung insgesamt als positiv und lohnend eingeschätzt. 

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass der Betrieb außerordentlich engagiert alle Punkte des Sanierungskonzeptes umsetzte, sogar mehr Gruppen als vorgeschlagen einrichtete und eine sehr gute Hygiene auch im Haltungsbereich anstrebte, was sicherlich abgesehen von der Eliminierung des S. aureus noch weitere positive Auswirkungen hatte. Prognostisch günstig für den Betrieb war auch dessen Ausgangssituation mit 8% positiven Befunden in der ersten Gesamtherdenuntersuchung.

Aufgrund der Natur des Erregers als Haut- und Wundbesiedler ist es sicherlich nicht möglich alle Euter einer Milchviehanlage dauerhaft frei von S. aureus zu halten. Unter Beibehaltung des strengen Hygieneregimes wird zukünftig zur Erhaltung der Eutergesundheit im Bestand des Betriebes eine regelmäßige bakteriologische Kontrolle bei Abkalbern, Trockenstellern und sekretveränderten Tieren durchgeführt. So können bei den betreffenden Tieren schnell und gezielt  Maßnahmen eingeleitet werden, um der Ausbreitung eines Erregers im Bestand rechtzeitig entgegenzuwirken.

(Teile der Arbeit waren Bestandteil einer Praktikumsarbeit v. Hrn. M. Herold, Stud. Milchwirtschaftliche Lebensmitteltechnologie, FH Hannover)