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An die Eiweißversorgung
stellen leistungsstarke Milchkühe und Jungtiere im ersten Lebensjahr erhöhte
Anforderungen. In der Wiederkäuerernährung wird zur Bewertung der
Proteinversorgung das „nutzbare Rohprotein“ (nXP), dass am Dünndarm zur
Verwertung bereitsteht, verwendet. Es setzt sich aus der Summe des
Mikrobenproteins (77- 82 %), gebildet in den Vormägen und dem in diesem
Abschnitt „unabgebauten Rohprotein“ (18-23%), auch Durchflussprotein (UDP)
genannt, zusammen. Die Menge des gebildeten Mikrobenproteins hängt vom
gleichzeitigen Angebot an Eiweiß und Energie ab. Beim Wiederkäuer werden für
den mikrobiellen Anteil am nXP-Gehalt ausreichend sonstige Nährstoffmengen
(Stickstoff, Phosphor, Schwefel) im Pansen unterstellt. Das Bildungsvermögen
eines Futtermittels an Mikrobenprotein ist somit von seinem Energiegehalt
abhängig. So erklären sich zum Beispiel in Maissilagen nXP-Werte über den
Gehalten an Rohprotein. Hohe UDP-Anteile in einer Ration vermindern die
Mikrobenproteinmenge. In der praktischen Fütterung wird eine maximale
Mikrobenproduktion angestrebt, denn das Mikrobenprotein ist die wichtigste
Quelle zur Versorgung des Wiederkäuers mit Aminosäuren.
Die RNB (ruminale Stickstoffbilanz) bewertet als Parameter den Anteil an
Stickstoff (N), der den Pansenbakterien unter einer gegebenen Fütterung zu
deren Vermehrung zur Verfügung steht. Bei positivem Wert steht den
Pansenbakterien mehr N zur Verfügung als sie nutzen können (z.B. bei
Grassilagen). Ein negativer RNB-Wert (z.B. Maissilage) zeigt einen durch
dieses Futtermittel erzeugten N-Mangel im Pansen an. Ausgleichende
Rationskomponenten sind also je nach verwendeten Grundfutterkomponenten
nötig. Der RNB berechnet sich aus der Differenz zwischen dem Rohprotein
eines Futtermittels und dem nXP auf Stickstoffbasis und soll in der
Gesamtration 1g N/kg Futtertrockenmasseaufnahme betragen. Überschüssiger
Stickstoff im Pansen muss über die Leber entgiftet und mit
Körperflüssigkeiten (Harn, Milch) als Harnstoff ausgeschieden werden. Der
Milchharnstoffgehalt in der Milch lässt somit Rückschlüsse auf die Protein-
und Energieversorgung im Pansen zu.
Das Rohprotein in Futtermitteln wird coulometrisch bestimmt.
Berechnet wird der nXP-Gehalt eines Futtermittels aus der umsetzbaren
Energie, der Proteinkonzentration und der Abbaubarkeit des Proteins in den
Vormägen. Die Menge an in den Vormägen aufgeschlossenem und unabgebautem
Protein ist futtermittelabhängig.
Mit steigenden Milchleistungen (>26 kg/Tag) reicht das
Mikrobenbildungsvermögen allein für die Proteinversorgung nicht mehr aus und
es müssen zusätzlich Futtermittel mit höherem Anteil an Durchflussprotein
zur Absicherung des nXP-Gehaltes in die Ration eingebaut werden.
In Fütterungsversuchen wurden für wichtige Futterstoffe UDP-Werte ermittelt
und in entsprechenden Tabellen veröffentlicht. Durch technische
Behandlungsmaßnahmen lässt sich der UDP-Anteil eines Futtermittels erhöhen
(z.B. bei Rapsprodukten). Durch eine Proteinfraktionierung im Labor kann
analytisch die Wirksamkeit dieser Maßnahmen kontrolliert werden.
Das „pepsinunlösliche Rohprotein“ (puRP) gilt als analytischer Parameter für
die Bewertung der Hitzeschädigung des Futtermittels, z.B. während der
Silierung (zu erkennen am Röstgeruch). Bei Grassilagen weist dieser
Parameter gemeinsam mit einem erhöhten Ammoniakgehalt auf eine Veränderung
der Proteinzusammensetzung (Zersetzung von Eiweißen) und damit auf eine zu
erwartende schlechtere Futteraufnahme bzw. Proteinverwertung durch das Tier
hin.
Zur Bestimmung des puRP wird die Probe mit einem Pepsin-Säure-Gemisch
behandelt, filtriert und der Rohproteingehalt bestimmt. Der Anteil des puRP
wird in % zum Rohprotein angegeben. Mais- und Grassilagen sollten Werte
unter 20 % puRP am Gesamtprotein aufweisen.
Der Rohasche-Gehalt, insbesondere problematisch bei Grassilagen, setzt sich
aus dem Mineralstoffanteil in den Pflanzen und Sandanhaftungen zusammen.
Höhere Aschegehalte (>100 g/kg TS) vermindern den Futterwert. Zur Bestimmung
wird Probenmaterial in eine Veraschungsschale eingewogen, allmählich bis zum
Verkohlen der Substanz erhitzt und anschließend in einem Muffelofen bei 550
± 5°C solange behandelt bis nur noch eine hellgraue bis rötliche Asche
zurückbleibt. Nach entsprechender Zeit im Exsiccator wird zurückgewogen. Der
Rückstand in % bezogen auf die Einwagen entspricht dem Aschegehalt der
Probe.
Die Bestimmung des Sandanteiles erfolgt durch Behandlung der heißen Asche
mit konzentrierter Salzsäure. Der jetzt noch ungelöste Teil wird abfiltriert
und gewogen.
Dieser Rückstand entspricht dem Sandanteil der Probe.
Nur der vom Tier verwertbare Nährstoffanteil eines Futtermittels, also die
Verdaulichkeit (VE) eines Futtermittels, ist für die Rationskalkulation von
Interesse. Da eine Bestimmung der Verdaulichkeit in Tierversuchen kosten-
und zeitaufwändig ist, müssen geeignete analytische Parameter genutzt
werden.
Bei der Bestimmung der „Enzymlöslichen Organischen Substanz“ (ELOS) eines
Futtermittels werden wesentliche biochemische Reaktionen, wie sie im Tier
ablaufen, im Labor nachvollzogen.
Die Futterprobe wird in mehreren Schritten mit Pepsin-Salzsäure-Lösung und
anschließend mit einer Cellulaselösung behandelt. Der nicht lösbare Anteil
wird abgetrennt, getrocknet, gewogen und bei 550°C verascht. Aus dem
Glühverlust wird der ELOS-Gehalt ermittelt.
Dieser ELOS-Wert wird anstelle der Gasbildung (Parameter auf Basis von
Verdauungsversuchen mit fistulierten Hammeln) benutzt und ist Bestandteil
neuer Formeln zur Schätzung des Energiegehaltes in Gras- und Maissilagen.
Mit dieser Artikelserie sollte der Leser einen Überblick zur Bewertung von
Futtermitteln am Beispiel von Gras- bzw. Maissilagen erhalten. Sollten Sie
weitere Fragen zu Analysenergebnissen aus unserem Hause haben, wenden Sie
sich an uns.
Jürgen Wegner
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